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Pressemitteilung Ausstellung der Steirischen Kulturinitiative (AT) im Raum für Kunst und Natur (DE)

WEGGEHEN IN BLAU, GRÜN UND ROT

SABINA HÖRTNER

Viele Veränderungen im Umraum vollziehen sich leise. Sie betreffen Dinge von geringer Größe, unscheinbare Arten, Details am Rand der Wahrnehmung. Eventuell sind es jedoch gerade die nicht vordergründigen Elemente in unserem Umfeld, die eine besondere ökologische oder kulturelle Bedeutung tragen. Was verschwindet, verschwindet oft nicht spektakulär und laut, sondern allmählich – ohne sichtbare Leerstelle und meist ohne Öffentlichkeit.

Die Ausstellung von Sabina Hörtner nähert sich dieser Thematik über Pflanzenarten, deren Präsenz leicht übersehen wird. Pflanzen lösen beim Menschen Emotionen aus und werden hier als botanisches Sujet zum Ausgangspunkt für Verschiebungen zwischen Erinnerung und Form in Fläche und Raum.

Im Zentrum stehen kleine Edelstahlskulpturen, die auf einem Raster von einem Zentimeter aufgebaut sind. Sie haben konkrete pflanzliche Vorbilder, die aus dem Bonner Umraum/Nordrhein-Westfalen weggehen. Diese Pflanzen erscheinen aber nicht als Abbild, sondern als reduzierte, durchlässige Strukturen. Ihre angedeutete Form und Farbigkeit orientiert sich an den jeweiligen Pflanzenarten und sie markieren den Ort, an dem deren vormalige Existenz nicht mehr sichtbar ist.

Parallel dazu zeigt Sabina Hörtner sieben großformatige Acrylbilder. Ihre Bildstruktur folgt ebenfalls einem System aus horizontalen und vertikalen Linien, jedes Bild greift ein Detail einer Skulptur auf – ein Zoom, ein Close-up, das aus der Nähe betrachtet und in Malerei übersetzt wird. Dabei löst sich die ursprüngliche Referenz weiter auf: Die Pflanzenform wird zu einer Erinnerung der Erinnerung, zu einer subjektiven Setzung aus Farbe, Rhythmus und Verdichtung. Während die Skulpturen flächig im Raum erscheinen, erzeugen die Bilder ihrerseits eine Illusion von Räumlichkeit.

Im hinteren Raum setzt eine Serie von Zeichnungen diesen Prozess fort, die sich überlagernden Linien der Pflanzenzeichnung werden zu einem lückenhaften Raster. So entfaltet sich innerhalb der Ausstellung eine Abfolge von Transformationen: von der Pflanze zur Skulptur, von der Skulptur zur Zeichnung und weiter zum Bild. Mit jedem Schritt vergrößert sich die Distanz zum ursprünglichen Gegenstand. Die Arbeiten bewegen sich damit zwischen Dokumentation und Konstruktion, sie halten fest, was leicht übersehen wird – und zeigen, wie selektiv und formbar Erinnerung ist.

Sabina Hörtner und Nicole Pruckermayr


Sabina Hörtner studierte Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Bruno Gironcoli und schloss ihr Studium 1995 mit Diplom ab. Für ihre Abschlussarbeit wurde sie mit dem Würdigungspreis der Akademie ausgezeichnet.

Seit 1987 (im Frauenmuseum Bonn) ist sie mit Ausstellungen und Arbeitsaufenthalten im In- und Ausland vertreten, unter anderem in Wien, Graz, Mürzzuschlag, New York, Hongkong, Los Angeles und Amsterdam. Sie realisierte mehrere Kunst am-Bau-Projekte, darunter WOMENT! 20+03 Orte und Augenklinikum am LKH Graz.

Von 2001 bis 2004 war sie Assistant Professor am Institut für Zeitgenössische Kunst an der Technische Universität Graz.

Sabina Hörtner arbeitet interdisziplinär mit Zeichnung, Malerei, Skulptur und raumbezogenen Installationen. Der dreidimensionale Raum bildet dabei häufig den Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Interventionen. Seit 2014 beschäftigt sie sich in ihrer Arbeit mit dem Verschwinden kleiner Details im unmittelbaren Umfeld und thematisiert dabei auch den Verlust geschützter Arten.

Sie lebt und arbeitet in Wien und im südlichen Niederösterreich.

Seit Frühling 2026 betreibt sie in Wien den Kunstraum PLANET H.

https://sabinahoertner.com